Ablösung bei Erwachsenen

Viele Menschen tragen Glaubenssätze in sich. "Das Leben ist schwer. Das Leben ist hart und ungerecht. Das Leben ist nicht auf meiner Seite. Um Geld zu verdienen, muss ich den ganzen Tag hart arbeiten," sind nur wenige Glaubenssätze, die dazu führen, dass das Leben als hart, schwer und ungerecht empfunden wird.

 

Die Coronazeit war für alle eine unglaubliche Herausforderung. Die Angst vor dem Virus, Panik sich anzustecken, zu erkranken oder gar zu sterben hat uns alle umgetrieben. Die Beschränkungen, die der Lockdown mit sich brachte und die Überforderung bei dem Versuch, sich auf diese neue Situation einzustellen, alles unter einen Hut zu bringen, war nicht nur für Familien mit Kindern ein Kraftakt.

 

Ganz zu schweigen von denen, die erkrankt sind und noch heute mit Long Covid Symptomen Probleme haben oder diejenigen, die in der Zeit einen geliebten Menschen verloren haben und noch heute mit ihrer Trauer kämpfen. Die Art und Weise, wie der geliebte Mensch von ihnen ging, verbunden mit Krankenhausaufenthalten, bei denen niemand zur Begleitung dabei sein durfte. Einen Menschen zu verlieren ist schmerzhaft genug, aber hinzu kommt die Tatsache, dass dieser geliebte Mensch allein im Krankenhaus war, keine Besuche zugelassen werden konnten und niemand in der Zeit im Kreis und der liebevollen Begleitung seiner Angehörigen gestorben ist. Die Hinterbliebenen haben oft Schuldgefühle, den geliebten Menschen im Stich gelassen zu haben. Das Gefühl, nicht für den Partner, die Eltern oder vielleicht sogar die Kinder da gewesen zu sein, treibt sie heute noch in die Verzweiflung, begleitet von einer tiefen Schuld, die auf ihren Schultern lastet.

 

Viele vom Lockdown Betroffene haben ihre gesamte Existenz verloren. Sie sind orientierungslos, wissen nicht, welchen beruflichen Weg sie einschlagen sollen und hadern mit sich und der Welt.

 

Hinzu kommt der Ukrainekrieg. Ein Schock für alle, dass nun Krieg in Europa ist. Unweit von uns entfernt. Die Angst, bei vielen sogar die Panik, ist allgegenwärtig. Wie sollen wir damit umgehen? Viele Klientinnen und Klienten berichten mir, dass die Angst sie so sehr umtreibt, dass sie nachts nicht mehr schlafen können. Es wirkt sich auf die gesamte Familie aus. Die Kinder sind unruhig und reagieren ebenfalls mit Angst, Panik und Schlaflosigkeit. Viele machen sich Sorgen um Freunde und Familienangehörige, die dort leben. Nicht selten nehmen sie Geflüchtete bei sich zu Hause auf. Kümmern sich um Kleidung, Behördengänge, darum, dass die Kinder in die Schule gehen können und sorgen dafür, dass sie sich hier sicher und angenommen fühlen. Sie engagieren sich, sammeln Spenden, heißen die flüchtigen Familien, überwiegend Frauen mit ihren Kindern, willkommen und brennen völlig aus bei der Hilfe, die sie anderen zuteil kommen lassen.

 

In diesen Situationen wurden und werden viele Emotionen eingeschlossen. Angst, Hilflosigkeit, Entsetzen, Überwältigung, Aussichtslosigkeit, schockiert sein, Panik, Verzweiflung, Trauer, Depression, aber auch Wut, Bitterkeit, Groll und Hass sind Emotionen, die bei vielen Menschen derzeit im Alltag vorkommen. In einem intensiven Gespräch erörtere ich mit meinen Klientinnen und Klienten ihre ganz persönliche Situation. Beim Ablösen von eingeschlossenen Emotionen werden die eigenen Themen noch einmal deutlich. Ich kann zwar die äußeren Lebensbedingungen nicht verändern, durch das Ablösen der eingeschlossenen Emotionen tritt aber in der Regel eine Erleichterung ein, die dafür sorgt, dass sich der Mensch dafür öffnen kann, eigene, negative Denkweisen zu überprüfen und ggf. zu verändern. Und diese Veränderung sorgt für eine empfundene Anhebung der Lebensqualität.

 

 

Eine Sitzung zur Ablösung bei Erwachsenen dauert oft länger als bei Kindern, weil das Austesten und das Ermitteln der Situation, in der die Emotion eingeschlossen wurde, einige Zeit benötigt. Oft nimmt die Person die Ermittlung zum Anlass, um über diese Zeit zu sprechen und sich bewusst zu erinnern. Auch hier werden nicht selten schmerzhafte Situationen noch einmal angeschaut und bewusst durchfühlt. Erwachsene haben in ihrem Leben bereits mehr Emotionen eingeschlossen als Kinder oder Tiere, deshalb dauert eine Sitzung ca. 1 - 1,5 Stunden.